Ein Kunstwerk geht auf Reisen

 Die Skulptur Balance der Künstlerin Hildegard Tolkmitt muss wegen des Umbaus des Eingangsbereichs der Sana-Klinik eingelagert werden. Nach dem Ende der Arbeiten kommt sie aber wieder zurück.

Von Bernd Schuknecht

Die Urdenbacher Künstlerin Hildegard Tolkmitt wahrt die seelische Balance zwischen Zuversicht und Bangen, als ein Kran ihr Kunstwerk „Balance“ von seinem Fundament vor dem Eingangsbereich der Benrather Sana-Kliniken auf die Ladefläche eines Lkw hievt. Weil der Foyerbereich des Krankenhauses durch einen Neubau vergrößert wird, muss nun die Kunst weichen. „Allerdings nicht endgültig“, erklärt Dirk Balkenhoff, als Technischer Leiter von Sana für die Kunstaktion zuständig.

Die 500 Kilogramm schwere und knapp fünf Meter hohe Skulptur aus Edelstahl und blau eingefärbten Acryl-Segmenten, die im Mai 1998 im Beisein der damaligen Bürgermeisterin Marlies Smeets vor dem Krankenhaus errichtet wurde, erinnert gleichwohl an einen Speer wie an einen Mikado-Stab, der dynamisch himmelwärts zeigt. Die künstlerische Aussage des modern wirkenden Kunstwerks thematisiert das Streben nach mentalem Gleichgewicht, ein Ideal, das in der abendländischen ebenso wie in der asiatischen Philosophie nach wie vor bedeutend ist. So ist auch das Leben kranker Menschen häufig aus dem seelischen Gleichgewicht geraten. Im Krankenhaus gibt es dann wieder Hoffnung, dass dieses durch die medizinische Heilkunst wieder ins Lot gebracht werden kann.

Gerade das Lot war aber auch der Knackpunkt im wahrsten Wort-Sinn beim geplanten Transport; denn die Zugkraft des Krans wirkt vertikal auf den um 85 Grad geneigten Stab. Der ist zwar mit Spezialfolie, Kanthölzern sowie Bandagen vor Beschädigung von außen geschützt, doch wie sich die Zugkraft auswirkt, ist nicht 100-prozentig vorhersehbar. Statiker hatten im Vorfeld zahlreiche Berechnungen angestellt, allerdings war die Skulptur 20 Jahre sämtlichen Witterungseinflüssen ausgesetzt, und da kann man nie wissen.

„Es wurde jedoch ein sehr hochwertiger Edelstahl von Thyssen verbaut, der auch in dieser Zeitspanne keine Korrosion bildet““, beruhigt Giulio Piredde, der als Metallbauspezialist der Kunstschlosserei Huiskens bereits bei der Aufstellung dabei war. „Dass letztlich alles so schön problemlos geklappt hat, grenzt wirklich an eine Sensation“, entfährt es der erleichterten Künstlerin, die trotz der technischen Expertisen offenkundig einige Restzweifel gehegt hatte.

Auch von der Haltbarkeit des Farbstoffes, den sie für die Einfärbung des Acrylglases verwandt hat, ist Tolkmitt begeistert. Sie hatte stets ein Faible für modernste Werkstoffe und nutzte diese für ihre unterschiedlichen Arbeiten. „Die farbliche Intensität hat sich nicht nennenswert verändert“, lobt sie überschwänglich. Per Lkw geht es nur ein paar Meter um den Krankenhausbau herum auf den Wirtschaftshof, wo die „Balance“ für rund neun Monate horizontal in einem Lager eingelagert wird. Zur Eröffnung des Foyer-Neubaus soll dann auch wieder die „Balance“ hergestellt sein. „Noch ist unklar, an welcher Stelle genau und ob wir das alte Betonfundament ausgraben und erneut nutzen, oder ob ein neues gegossen wird“, erklärt Dirk Balkenhoff.

Quelle: Rheinische Post

Foto: Günter von Ameln (vam)